Die Fasnacht in Arzl
lässt sich bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Bereits in den Jahren 1909 bis 1912 wurden "wilde Fasnachten" durchgeführt.
Dabei gingen in den Abendstunden Hexen, Karner, und Bettler von Haus zu Haus.
An bestimmten Plätzen wurden Tänze aufgeführt.
1913 wurde die erste Fasnacht mit 35 Beteiligten durchgeführt. Ein Hexen- und
ein Karnerwagen wurde gebaut, ebenfalls gab es eine Labera. Roller und
Scheller sind nicht mitgelaufen. Dafür gab es Männer, die an den Schultern und
an einem auf dem Kopf getragenen Holzgestell "Singesen" befestigt hatten. Bei
diesem Holzgestell handelt es sich um Nachahmungen eines Aufputzes, den Kühe
beim Almabtrieb und bei Marktfahrten trugen.
1954
1957 wurde der erste Verein gegründet und die Fasnacht organisiert
durchgeführt.
1957
1957
1957
1961
Über 20 Jahre (der letzte Singeslerlauf hatte 1961 stattgefunden) sollen
vergehen, bis wieder ein Singeslerlaufen abgehalten werden sollte.
1981 nahm der Fasnachtsverein die Arbeit wieder auf, 1982 fand ein großes
Auskehren statt.
1983, 1987, 1990, 1995, 1999 und 2003 wurden die Fasnachten durchgeführt.
Leider sind viele der älteren Masken bei Bränden zur Jahrhundertwende
vernichtetet worden. So brauchte es natürlich lange, bis wieder ein größerer
Bestand an Masken zur Verfügung stand, und noch heute werden viele Masken
geschnitzt und neue Gewänder genäht. Was natürlich ohne den Einsatz der Frauen
des Dorfes, die ja am Singeslerlaufen nicht teilnehmen dürfen, nicht möglich
gewesen wäre.
Masken, die
sich sonst in keinem Fasnachtsort finden
Singesler:
Die
Haupt- und Namensgebende Masken der Arzler Fasnacht sind die "Singesler". Die
männliche Maske trägt die Hellklingenden "Singelser-Glocken" um den Bauch und
Schulter sowie am Kopf. Die männliche Maske wird von einer anmutigen
weiblichen Vortänzerin ohne "G`röll" begleitet, die ein Blumensträußchen mit
sich trägt. Winter und Frühling werden durch dieses Singelerpaar symbolhaft
dargestellt.
1987
2003
Burgstallzurfer:
Eine weitere Besonderheit, und nur in Arzl zu finden,
sind die "Burgstallzurfer". Diese in Loden gekleidete Masken stellen
Holzfäller und Holzzieher dar. Sie ziehen auf einem Holzschlitten ein
Holzbloch durch das Dorf. Zusätzlich führen sie einen Holzstab mit sich, und
laden damit das schaulustige Publikum zum "zurfen" (ziehen) ein. Der Zurfer
darf den Holzstab und damit auch den Kampf nicht verlieren, ein tolles
Gerangel ist also immer vorprogrammiert.
2003
Ordnungsmasken: Die Ordnungsmasken bestehen aus Sackner, Mohren- und
Engelspritzer, sowie den Kübelmaijen, die mit ihren Mehlkübeln, die vorher
nassgespritzen BesucherInnen einzustäuben versuchen. Die Ordnungsmasken haben
die Aufgabe, den Kreis, den die Singeslerpaare laufen, freizuhalten.
2003
1995
Nebenmasken: Auch die Bärengruppe, bestehend aus Bär und Bärentreiben ist
zu bewundern, die ebenfalls den Kampf zwischen Winter und Frühling
symbolisieren soll.
1995
2003
Natürlich fehlen auch die Hexen mit Hexenmuter und Hexenmusik nicht.
2003
Die Labera wird von einem übergroßen Geier, dem "Burgstallgeier" begleitet.
Dieser ist der Berichterstatter für die Labera, und überwacht das ganz Jahr
über mit seinem Segelflug über Arzl das Dorfgeschehen, pickt mit viel
Schadenfreude die lustigen Vorkommnisse heraus und die Labera singt dazu.
1995
2003
Für wohlklingende Töne sorgt außerdem die Musikkapelle von Arzl an der Spitze
des Fasnachtsumzuges, ebenfalls verkleidet.
1990
1995
1999
2003
Fasnachtswagen:
Ein unterhaltsames Schauspiel bieten in Arzl immer wieder
die Fasnachtswagen mit ihrer Begleitung. Diese sind nicht nur durch ihre
Größe, sondern auch durch ihre qualitätsvolle Ausführung einen Besuch der
Fasnacht wert. Zahlreiche Vereine sind immer viele Wochen damit beschäftigt,
im Geheimen - so ein Fasnachtswagen darf ja erst am Tag der Fasnacht gesehen
werden, den besten und schönsten Wagen zu bauen.
Mitwirkende Fasnachtswagen mit "Original-Begleitung"
Singeslerlaufen 2003
Seit 1999 neue Attraktion
zum Fasnachtsbeginn beim "Hexemuater auweck`n"
Hexen,
Hexenmusik, Singesler die Ordnungsmasken und Zuschauer ziehen am Abend vom
Dorf zum alten Steinbruch am Sägewerk, wo nach alter Erzählung die Hexenmuater
begraben sein soll. Der Geschichte zufolge, die von alten Arzlern erzählt
wird, soll es vor langer Zeit einmal ein altes Kräuterweiblein gegeben haben,
das die Kunst des Heilens beherrschte und auch sonst nicht gerade verschlafen
war. Plötzlich war das Weiblein verschwunden und einige Zeit später soll man
sie wieder unterhalb der "Arzler Rappenlöcher", oberhalb des Steinbruches, tot
gefunden haben. Aus diesem Grund wird von nun an immer zum offiziellen
Fasnachtsbeginn jene besagte Frau, die inzwischen zur "Arzler Hexenmuater"
geworden ist, aufgeweckt.
Zu schaurig
und geheimnisvoll klingender Musik werden die Hexen am Feuer tanzen und auf
die ihre Hexenmuater warten. Auf einem Drahtseil hängend, wird diese auf einem
übergroßen brennenden Besen von den wildromantischen beleuchteten Felsen des
Steinbruches "Herabreiten". Unten angekommen, wird die "Muater" von den Hexen
und den zahlreichen Zuschauern bei diesem wilden Specktakel begrüßt, und die
Arzler können nun vollzählig in die Fasnacht gehen.
Der
Fasnachtauftakt wird dann meist bei guter Ausschank und flotter Unterhaltung
bis tief in die Nacht gefeiert.