LANDWIRTSCHAFT
 

 Vollerwerbsbetriebe 11
 Zuerwerbsbetriebe 5
 Nebenerwerbsbetriebe 130
 Betriebe jur. Personen 0
   
 Landw. Betriebe 1990 146
 Landw. Betriebe 1999 130

Vollerwerbsbetrieb: Betriebe in denen das Betriebsleiterehepaar mindestens 90% seiner gesamten Arbeitszeit im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb tätig ist.
Zuerwerbsbetriebe: Betriebe in denen das Betriebsleiterehepaar 50 - unter 90% seiner gesamten Arbeitszeit im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb tätig ist.
Nebenerwerbsbetriebe: Betriebe in denen das Betriebsleiterehepaar weniger als 50% seiner gesamten Arbeitszeit im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb tätig ist.
Betriebe jur. Personen: Land- und forstwirtschaftliche Betriebe von Gebietskörperschaften, Agrargemeinschaften, Weide- und Waldgenossenschaften, öffentlich rechtlichen Körperschaften, Privatfirmen, Lagerhäusern, Stiftungen und dergleichen.


Aufzeichnungen der Tierbestände in der Gemeinde Arzl

Jahr

Rinder/Besitzer Pferde Schafe Ziegen Schweine Geflügel Bienenstöcke
1939 1355   16 447 72 652 2497 252
1941 1309   17 503 71 590 2129 233
1945 1142   44 584 30 313 1336 354
1952 1044   41 171 33 773 2319 250
1961 1246 170 70 177 19 776 4388  
1971 1122 131 43 93 55 796 2895  
1981 961 133 21 517 66 656 2689  
1991 1038 101 31 1038 96 279 2231  
1995 984 99 56 984 81 234 2174  

Tierbestand 1899 (Gemeinde Arzl) im Vergleich

3 Pferde, 1 Maultier, 7 Zuchtstiere, 105 Stierkälber, 550 Kühe, 154 Kalbinnen, 105 Kuh- und Ochsenkälber, 406 Schafe, 41 Ziegen, 680 Schweine, 3200 Hühner, 55 Hunde

 

Bei einem Spaziergang um die "Toale" aufgefallen - Heustadel mit dem eingekerbtem Datum 1885 und 1899

In früherer Zeit war die Gemeinde hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt. Auffallend ist auf älteren Aufnahmen der große Anteil an Getreidefeldern. Ab den 1950er Jahren kam dann auch sehr stark der Fremdenverkehr mit dazu. Die Entwicklung der Bevölkerung und Wirtschaft brachte es mit sich, dass es heute nur mehr einige größere landw. Vollerwerbsbetriebe und auch Nebenerwerbsbetriebe gibt. Der Großteil der Bevölkerung muss zu ihren Arbeitsstellen in der Wirtschat auspendeln.

Ortsbauernobmänner:
ARZL (Leins, Timmls, Blons, Hochasten) - Franz Schöpf, Dorfstraße, Arzl
WALD - DI Andreas Tschöll, Wald

Ortsbäuerinnen:
ARZL         Andrea Rimml, Blons 4, Arzl
WALD        Rosmarie Neurauter, Wald Obermauri 25, Arzl
LEINS
        Heike Pohl-Mall, Oberleins 54, Arzl

Agrarobmänner:
ARZL / DORF      Peter Konrad, Bichlweg, Arzl
TIMMLS             Josef Knabl, Timls 64, Arzl
HOCHASTEN      Günther Wille, Hochasten  Agrargemeinschaft-Hochasten
BLONS              DI Gebhard Rimml, Blons 4, Arzl
WALD               Ing. Daniel Schwarz, Wald
ARZL RIED        Alois Raich, Arzl-Ried
LEINS               Alfred Schuler, Leins

 

 

Arbeiten in der Landwirtschaft - Wie es Früher war!

Was die Almwirtschaft der Gemeinde anlangt, so sind Besitzungen im ganzen Pitztal vorhanden. Die wohl größte Alm der Gemeinde befindet sich im hintersten Pitztal, die Taschachalm. Sie gehörte lange der Gemeinde Arzl und ist jetzt im Besitz der Agrargemeinschaft Alpe Taschach, die Nutzungsberechtigten kommen aus allen Teilen der Gemeinde. Die Pirchlberg Alm oder besser bekannt unter dem Namen Arzler Alm auf der Höhe von Piösmes, ist im Besitz der Agrargemeinschaft Arzl Dorf. Die Gemeinde hat noch eine weitere Alm im Pitztal nämlich die Schwarzenberg Alm, auf der Höhe von Eggenstall. Auf Arzler Gemeindegebiet liegen die Timmler Alm, die Aster Alm, die Walder Alm und die Leiner Alm. Teilweise liegt auch die Wenner Alm auf Arzler Gemeindegebiet. Bewirtschaftet werden allerdings nur noch die Taschach-, die Arzler-, die Aster- und die Leiner Alm.

Auszüge von Abschriften der Pergamenturkunden - Tiroler Landearchiv       
Seit Jahrzehnten ist das Gemeindearchiv Arzl i. P. im Tiroler Landesarchiv deponiert. Die umfangreichen Timmler Weideprozeßakten, der Streit um die Taschachalpe, Urkunden und Akten über die Kuratie Leins blieben bisher unbearbeitet. Das alte Arzler Archiv und die Leinser Archivalien umfassen gemeinsam ca. 200 Stück, die teils thematisch in Sammelpositionen, teils chronologisch erfasst wurden. Vorliegendes Archiv deckt einen Zeitraum von über 500 Jahren ab, wobei auch Inserte und spätere Abschriften herangezogen wurden.       
Der Erhaltungszustand - besonders der Leinser Stücke - ist meist schlecht. Wie aus den Schwerpunkten (Weideprozesse) erkenntlich, ist die Überlieferung nicht lückenlos, doch zeigt ein altes Inventar, dass zumindest der Timmler Instanzenprozeß gut dokumentiert ist. Da Leins eine selbständige Wirtschafts- und Steuereinheit war, sind dessen Archivalien getrennt ausgewiesen.         
68 im Tiroler Landesarchiv lagernden Gemeindearchiven ist Arzl mit fünf Archivkartons (Schubern), ein Archiv mittleren Umfangs. Vom Aussagewert und Inhalt der Urkunden und Akten zählt es zu den bedeutenderen Kommunalarchiven. Die Weideprozesse geben ein lebhaftes Bild vom Existenzkampf früherer Generationen. Das ausgeprägte Rechts-Empfinden der Arzler, das Vertrauen in die Jurisprudenz und die enormen Verfahrenskosten sind durch die vorhandenen Stücke gut dokumentiert. Die Dorfordnung vom 16./17. Jahrhundert zeigt, wie das Zusammenleben in einer Wirtschaftsgemeinde geregelt war. Markbriefe und Grenzbeschreibungen bilden eine Fundgrube für alte Flurbezeichnungen und die Rezepturen gegen Viehseuchen zeigen, wie sehr man früher solchen  Naturereignissen ausgeliefert war.

1530 Juni 14, Eritag vor Fronleichnam: Anläßlich des Weidestreites zwischen Pitztalern und Arzlern auf dem Nessel- und Schwarzenberg, welchen die Arzler mit ihren Schafen seit vielen Jahre aufsuchen, legen die Bevollmächtigten von Arzl Andrä Gerald und Ludwig Finckh einen alten Vertrag vom 19. Juni 1470 vor, welcher inseriert ist: Da die Pitztaler den Schwarzen- und Nesselberg beanspruchen wird vor dem Imster Pfleger Kaspar Frech und Richter Hans Mezger festgestellt, daß Arzl für ca. 1000 Schafe die Nutzungsberechtigung hat und die Pitztaler ihre Schafe, welche sie im Winter halten, ohne Hirten auftreiben dürfen. Für den üblichen Hirtenlohn müssen die Pitztaler aufkommen, sowie 15 lb Berner als Schadensgutmachung leisten. Nach Verlesung dieses alten Spruches wird ein Lokalaugenschein vorgenommen und von beiden Parteien die Grenze auf den Schafbergen gemeinsam durch Marksteine festgelegt. Es folgt die ausführliche Grenzbeschreibung.
Siegler: Der Anwalt Zeugen: Minig Walch von Blons, Christian ab den Geschwandt.

 1530 Juni 14, Eritag vor Fronleichnamstag: Hans Meczger, Richter zu Imst, schlichtet den Streit zwischen genannten Sprechern, der Nachbarschaften des Pitztales einerseits und jenen von Arzl, Wald, Leins, Ried, Timbls, Plans und Esten andrerseits, um die Weide auf dem Nesselberg und Schwarzenberg.          
Siegler: Urban Tumbler, Anwalt zu Imst

 1539 Juni 10, Eritag vor St. Veitstag: Wolfgang Lufftenegger, Pfleger zu Imst, schlichtet den Streit zwischen Konrad Schwaykhofer und Hans Kerer im Pitztal einerseits und den Nachbarschaften zu Arzl, Wald, Timmls (Timbls), Leins, Esten und Blons (Plans) andrerseits und die Weiderechte auf der Alpe Täschach.

Siegler: Wolfgang Lufftenegger

 1553 Juni 20, im Pitztal: Christoph Rörburger von Rörburg, Pfleger und Richter zu Imst, schlichtet den Streit zwischen den genannten Sprechern der Nachbarschaften des Pitztales Konrad Schwaighofer, Mittelberg, und Hans Kerer vom Mundtorffhof einerseits, jenen von Arzl, Wald, Leins, Ried, Timmls (Timbls), Blons (Plans) und Esten andrerseits um die Weiderechte auf der Täschach-Alpe.

Siegler: Christoph Rörburger, Richter

 1665 November 28: Andreas Störczinger, Pflegverwalter zu Imst, verhört im Beisein des Balthasar Jeichen, Gerichtsverwalter zu Imst und des Paul Schödlach, Gerichtsschreiber zu Imst genannte Sprecher Christian Hueber, Dorfvogt, Michael Schueller, beide zu Wald, Karl Kräpichler zu Arzl, Ambros Regenspurger aus Leins, Christan Payr von Hochenasten, Georg Hueber von Timmls (Timbls) und Blasy Dietrich zu Ried des Kirchspiels Arzl über die Weiderechte auf der Täschachalpe und bestimmt Geldstrafen für diejenigen, welche ihr Vieh unbefugterweise auf der genannten Alpe weiden lassen.

Siegler: Andreas Störczinger, Pfleger zu Imst.

 1748 September 28, Arzl: Feuerstättenverzeichnis zu Arzl, welches nach Haushalten (Besitzer) 80 Stuben und 66 Küchen verzeichnet. Nur beim Wirt Christian Krabichler, Ulrich Moll und im Widum sind mehr als eine Stube verzeichnet. Die Küchen sind in mehreren Haushalten geteilt, wobei ein Ofen (eine Feuerstätte) für zwei halbe Küchen dient.

 1748 Juni 14, St. Veitstag, 1750 Juni 7: Beglaubigung des Spruchbriefes durch Gerichtsschreiber Johann Baptist Kob, "sovil solcher annoch erleslichen". Arzl klagt Timmls wegen Weidestreites, weil die Timmler deren Weiden benützen, obwohl die ehemaligen Hofstätten samt Stadeln durch Erbschaft an Arzl gefallen seien. Zwar stünden keine Häuser mehr dort, doch wolle Arzl trotzdem nicht auf die Weiden verzichten. Beide Seiten belegen durch Kundschaften ihre Standpunkte. Richter Hans von Puech und die Sprecher Hans Mözger, Hans Paur und Thoman Khuscheisen von Imst, Peter Seinser und Simon Schmid von Wenns kommen nach Anhörung und Lokalaugenschein zum Spruch: Die Timmler haben den Bach als Grenze und aus den Grüeblen herab bis Tablatt-Brunn. Der Timmler Hirte muß sein Vieh von den Arzler Mähdern Staldwies und Hofstatt fernhalten. Für die Benützung der Arzler Mähder sind 3 lb Meraner Münz an die Arzler zu zahlen. Sollten die Arzler wieder Hofstätten erbauen, stehen ihnen die Weiden wie von altersher zur Verfügung.

Siegler: Hans von Puech, Richter zu Imst

Zeugen der Siegelbitte: Hans Renn, Bastli Stadlwieser, Ulrich Kuprian, Ulrich Wachter und Konrad Stangl

 18. Jhdt.: Von der Gerichtsschreiberei Imst wird ein bewährtes Rezept gegen eine Viehseuche zur Heilung bzw. Vorbeugung für die Gemeinde Arzl empfohlen. Dem Vieh soll das Maul geöffnet und allfällige Blattern auf der Zunge durch ein Silber - "Spörlein" (abgebildet) geöffnet und ausgestrichen, sodann die Zunge mit Weinessig ausgewaschen werden. Unter anderem soll Vitriol in die Wunden eingestreut, sodann Honig darübergestrichen werden. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann ein speziell zubereiteter Trank verabreicht werden. Zur Vorbeugung soll man die Ställe mit Wacholder ausräuchern und das Maul des Viehs mit genannten Tinkturen ausspülen. Andernorts wird gesundem und kranken Vieh die Lungenader geöffnet. Pillen aus Kreide und Gerstenmehl in Nußgröße durch neun Tage verabreicht dämpfen die aufgestaute Galle.

Taschachalm im Pitztal (Erste Sennalpe im Pitztal)

Arzler Alm im Pitztal

Leiner Alm

Timmler Alm

Hochaster Alm

 

Jagdlich ist das Gebiet der Gemeinde auf verschiedene Eigenjagden und Genosseschaftsjagden aufgeteilt.
Die Genossenschaftsjagd Arzl besteht aus den Agrargemeinschaften Arzl, Timmls Blons und Hochasten.
Wald hat eine Eigenjagd, der Eigenjagd Leins ist aus Größengründen auch die Agrargemeinschaft Arzl-Ried angeschlossen.

 

 

Quellenverzeichnis  für diese Seite:   Gemeindechronik, Tiroler Landesarchiv

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